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Seaway Vacation

Artist: Seaway
Album: Vacation
Erscheinungstermin: 15. September 2017
Label: Pure Noise Records
Gesamtlänge: 38:52 Min.
Link zur Band: https://www.facebook.com/seawayband/

Tracklist:

1. Apartment
2. Neurotic
3. London
4. Lula On The Beach
5. Something Wonderful
6. Curse Me Out
7. Day Player
8. Misery In You
9. Scatter My Ashes Along the Coast, or Don’t (Featuring Caleb Shomo of Beartooth)
10. Car Seat Magazine
11. 40 Over
12. When I Hang Up

“The new music still sounds like Seaway. It’s got that party vibe, and it’s fun, but some of the songs are more mid-tempo. There are some more rock aspects influenced by bands we love like Weezer and Third Eye Blind. I felt like was just a matter of time before those influences came out. It’s pop punk at the end of the day."

Mit diesen Worten beschreibt Lead-Gitarrist Andrew Eichinger die Entwicklung des aktuellen Albums "Vacation" seiner Band Seaway aus dem kanadischen Ontario. Nach "Hoser" (2013) und "Colour Blind" (2015) hat das Quintett seit Mitte September als Album Nummer 3 auf dem Markt. An der (Pre)Produktion waren sage und schreibe vier Meister ihres Faches beteiligt, namentlich Derek Hoffman in Kanada, Alan Day (Four Year Strong) in Massachusetts und Mike Green (All Time Low, Sum 41, Pierce The Veil) in Los Angeles sowie Kyle Black (Senses Fail, Five Seconds of Summer). Eigentlich eine gute Basis, um ein Hit-Album zu schreiben. Oder vielleicht doch zuviele Köche?

Wie schreibt man ein Review über ein Pop-Punk-Album?
Gute Laune, Mitsing-Refrains, Tanzbarkeit, Twentysomething-Melancholie, sommerliche Unbeschwertheit...das sind die essentiellen Zutaten, die so mancher Platte des Genres zum Erfolg verholfen haben.

Seaway weisen auf einige der Zutaten zumindest schonmal plakativ mit ihrem Urlaubskoffer-Cover hin. Und mit dem Titel der neuen Scheibe "Vacation" ist die Sache dann auch glasklar. Hier werden diverse bekannte Städte der Welt besungen.
Los geht's mit "Appartment", einer feinen Ausrast-Nummer, die den ewigen Urlaub heraufbeschwört.

"Neurotic", in dem Amsterdam Erwähnung findet erinnert mit seinem College Punk-Flair an alte Nine Days- und Wheatus-Zeiten. Der Gangshout-Refrain ruft dem Hörer direkt das Bild der feierwütigen Partymeute am Pool der kalifornischen Vorstadtvilla vor Augen. Und wer schon das zehnte Bier drin hat, der kann immer noch "Nanana" mitsingen. "London" handelt von den Umzugsplänen der Protagonistin nach London, denen Sänger Ryan Locke aber aufgrund leerer Taschen nicht folgen kann. Vielleicht reicht auch ein Besuch vorerst aus, um die Stadt zu erleben.

"Lula On The Beach" klingt etwas kaugummizäh und Bubblegum-Punk-esque, wie es sein Titel vermuten lässt. Ein paar Weezer-Elemente hier und da, eine simple Melodie...Schlummerparty-Soundtrack.

"Something Wonderful" zieht dann wieder an und animiert zum Mitklatschen in der Strophe. Und auch eine Akustikgitarre bringt das gewisse Urlaubsfeeling in den C-Teil des Songs. An irgendeinen Song (vielleicht von einem American Pie-Soundtrack?) erinnert mich die Melodie im Refrain...

"Curse Me Out" setzt auf Melancholie und unschuldige Besessenheit. "Day Player" ist wieder ein beschwingter College Punkrock-Song ohne Ecken und Kanten. "Misery In You" lässt erstmal vermuten, daß hier der Spaß vorbei ist. Und in der Tat wird es emotionaler und tiefgründiger, thematisiert der Song doch die Depressionen der/des Protagonistin/Protagonisten. "Scatter My Ashes Along The Coast Or Don't" wartet mit dem klassischen Third Eye Blind-Feeling auf, hat sogar ein wenig was von Alkaline Trios Matt Skiba. "Car Seat Magazine" bleibt in der Punkrock-Schiene, lässt dem Hörer durch seine Alternative-Einflüsse auch mal ruhige Momente. "40 Over" ist die Punkrockballade des Albums, Sehnsucht, Bereuen. Mit "When I Hang Up" schließt dann "Vacation" nach 12 Songs und die Band reaktiviert den treibenden Pop-Punk ein letztes Mal mit einem schönen Wechselspiel der Stimmen von Rhythmus-Gitarrist Patrick Carleton, Andrew Eichinger und Ryan Locke.

Das Album im YT-Stream:

Fazit:
"Vacation" tut nicht weh, eckt nicht an. Seaway haben hier ein sorgloses Stück Musik aufgenommen, das dem geneigten Pop-Punk Fan sicher über weite Teile gefallen wird. Etwas mehr Authentizität und weniger "Happy Happy Joy Joy" hätten dem Gesamtbild vielleicht ganz gut zu Gesicht gestanden, für Tiefgang gesorgt, der ja nicht zwangsweise ins Übermelancholische oder harte Tristesse rutschen muss. Deshalb bleiben auch erinnerungsträchtige Hits wie sie alteingesessene Bands des Genres erzielen konnten eher aus. Hier und da bleiben Melodien und Textfragmente hängen und für den ein oder anderen wird die Platte sicher der persönliche Sommer- oder Urlaubssoundtrack. Mir persönlich fehlt etwas das Eigenständige und der Charakter, der sich auch in diesem tendenziell eher spielraumarmen Genre mit ein paar Feinheiten formen ließe.

Anspieltipps:
Scatter My Ashes, In Your Appartment , When I Hang Up