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Open Source 2017
Open Source Festival 2017

Der Berg ruft - und alle kamen sie. Zum zwölften Mal fand das Open Source Festival in Düsseldorf auf dem "Gipfel" des Grafenberg Walds statt und zum Ende sollten 7.000 Gäste musiktrunken, glücklich und kugelrund den Berg wieder herunter kullern. Das Wetter ist verglichen zu mittelmäßigen Katastrophen einiger Vorjahre endlich mal wieder mit den Jüngern und die Sonne scheint oder wird dankbarerweise auch dann und wann von leichten Wölkchen gemaßregelt. Pünktlich um 12:30 Uhr öffnet das Team die Pforten und wer zeitig gekommen war, sollte belohnt werden, denn Philipp Maiburg, Leiter der Veranstaltung, überreicht dem ersten Gast, einer jungen Dame, ehrenvoll das allererste Ticket für's Open Source 2018. Chapeau und herzlichen Glückwunsch! Bevor es dann um 13:45 Uhr mit Chogori den ersten Act auf der Carhartt WIP-Stage geben wird, stimmt Eiger Nordwand die ersten Gäste schonmal mit einem DJ-Set ein. Bis zum ersten Beckenschlag bleibt also noch genug Zeit, das Gelände zu erkunden. Und das wartet mit allerlei Unterhaltungsspezialitäten auf. Zum einen gibt es massig Imbissstände von veganem Essen bis hin zu Steakbrötchen und zum Nachtisch z. B. "Eis-Crêpe"am Stil, zum anderen die "Open Squares", eine Art Künstlerdorf, wo sich jeder (der sich angemeldet hat natürlich) auf 3x3 Metern selbst darstellen und verwirklichen kann. Hier findet man Soundtüftler, Modeschöpfer und Ideenhaber - und auch das Carhartt Radio, das über den Tag verteilt feine Musik sendet.

Open Source Festival 2017

Kostenlosen Strom für's Handy und Wasser für lau gibt's am Stand der Stadtwerke Düsseldorf, die auch gleich Sitzsäcke mit anbieten, um das köstliche Nass auch in Ruhe genießen zu können.

Open Source Festival 2017

Wer in der Vorfreude vergessen hat, Bargeld mitzunehmen, der kann dies am Festival-eigenen Schalter nachholen. Man möchte ja auch mal die ein oder andere Hopfenschorle zu sich nehmen können. In direkter Nähe befindet sich auch eine kleine Anlage zur Beschäftigung des Nachwuchses (oder des Kindes in uns), der zahlreich vertreten und mit "Mickey Mouse-Ohren" gewappnet auf dem Gelände rumwuselt.

Die Sipgate-Stage auf der anderen Seite des supergrünen Geländes am Rande der Galopprennbahn bietet jungen Talenten im wahrsten Sinne eine Bühne und wurde von Graffiti-Artist HOKER gestaltet, der aus einem - nennen wir es - Bretterverschlag ein wohnliches Zimmer gezaubert hat. Wirft man einen Blick auf die Hauptbühne bekommt man einen Eindruck dessen, wieviele Menschen hier heute noch tanzen und lachen sollen, im Rücken die Tribüne, auf der sich sonst hoffnungsvolle und -lose Gestalten tummeln, in der Erwartung, den Tipp ihres Lebens abgegeben zu haben und auf einen (Huf-)Schlag reich zu werden.

Open Source Festival 2017

Auf der Hauptbühne geht es nun los mit Love Machine, die den Zuschauer zurück in die wilden 70er transportieren. Türen...äh Vorhang auf für die Nachfahren der Riders On The Storm - und es kann ja kaum eine besser Location für den 70er Psychedelic Rock der Düsseldorf-Kölner Kombo geben.

Love Machine

Auf der Carhartt WIP Stage frickeln sich derweil die Drei von Chogori durch ihren "Analog Electronic" Jazz, intoniert durch Kontrabass (mal gestrichen, mal gezupft), Synthesizer und Drums. Toll anzugucken und anzuhören. Auf der Sipgate-Stage flowed sich der Düsseldorfer HipHopper Robin Soho samt DJ smooth durch seine Textzeilen. Auf der Hauptbühne leuchten sie bereits zur besten Kaffee und Kuchen-Zeit am Firmament, die Hamburger Urgesteine Die Sterne. Gespielt werden - man möge mich korrigieren - Songs von Bands, die mal Die Sterne gecovert haben - es wird also heimgezahlt quasi. Und zwischendurch wird auch mal der Text vergessen. Macht aber nichts. Wir sind alle Freunde.

Die Sterne

Die One-Man-Show John Derek Yancey aka Illa J aus Detroit zieht auf der Carhartt WIP Stage dann das Publikum mit seiner Mischung aus Rap und Soul in den Bann. Der vlt. beste Soundtrack für einen Tag wie diesen. Nachdem sich der sympathische Herr verabschiedet hat, betritt das Duo BAR die Bühne, in persona Christina Irrgang und Lucas Croon, den man auch bereits von Stabil Elite kennt. Und weil an diesem Tag irgendwie alles anders ist, legt sich auch schnell die Verwirrung über die Wahl des Outfits, das auch von einem frühpensionierten Religionslehrer am Abendbuffet eines mallorquinischen Alcudia Park-Hotels stammen könnte (no offense).

BAR

Auf der Hauptbühne gibt's dann kanadische Melancholie pur mit Austra. Die Band um die Singer/Songwriterin Katie Stelmanis, die sich heute auffallend maskiert hat präsentiert feinsten Dream- und Synth-Pop, mal mit klassischer Oper und harten Techno-Sounds der Detroiter Schule. Und auch wenn die Songs nicht gerade Stimmungsaufheller sind, so tun die Show der sympathischen Truppe und das Wetter ihr Übriges und zaubern den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht.

Austra

Fix geht's rüber zur Sipgate-Stage, um bei den Alpentines reinzuhören, die sich aus der Domstadt nach Düsseldorf aufgemacht haben und (entsprechend ihrer Bio bei Facebook) nach dem Tocotronic'schen Prinzip "Es gibt nur cool und uncool" (und wie man sich fühlt, Anm. d. Red.) einfach den Rock spielen, den sie spielen wollen und dabei die Erfahrungen ihrer früheren Bands wie Tulp, Lichter und Voltaire mit einfließen lassen.

Alpentines

Schnell rüber zur Carhartt WIP Stage, denn da gibt's das Highlight Ogoya Nengo & The Dodo Women’s Group, eine kenianische Musiktruppe um die in den 1930ern geborene Anastasia Oluoch, eine klassische Dodo-Sängerin, die in ihrer Heimat großes Ansehen genießt und diesen Musikstil über die Generationen rettet. Für Europa entdeckt hat sie Stefan Schneider (To Rococo Rot), der ihr Debütalbum hierzulande 2013 veröffentlichte. So etwas erlebt man wahrlich eher selten und es ist spannend anzuhören und anzuschauen.

Ogoya Nengo

Jetzt heißt es aber Beeilung, denn auf der Hauptbühne haben die Jungs der Antilopen Gang heute ein Heimspiel. Mit ihrem aktuellen Album "Anarchie und Alltag" geben sie auch das Motto der Show vor, bei der Beate Zschäpe das kalte Grausen bekäme. Danger Dan, Koljah und Panik Panzer klamauken sich routiniert durch die eigene Diskographie und spielen auch dem verstorbenen NMZS zu Ehren Songs wie "Enkeltrick", für den Jakob die Idee lieferte und auch sein eigenes Werk "Nie mehr zurück", bei dem sich Danger Dan ans E-Piano gesellt. Als ultraschnelle Zugabe gibt's noch "Fick die Uni", bei dem dann der Mob vor der Bühne ein letztes Mal komplett ausrastet. Ein späterer Slot hätte der Band (ja, Band, denn sie haben DJ, Bassist, Drummer und Gitarrist dabei) vielleicht noch besser zu Gesichte gestanden, aber auch so waren die Antilopen ein definitives Highlight.

Antilopen Gang

Nach weiteren Acts auf der Carhartt WIP und Sipgate-Stage dämmert es ganz ganz langsam und die Lichter der Hauptbühne entfalten zunehmend ihre Wirkung. Das kommt The Temper Trap (aktuelles Album "Thick As Thieves") aus Australien zugute, die der ein oder andere vielleicht noch vom "500 Days Of Summer"-Soundtrack kennt oder weil er damals Sturzbäche zu "Sweet Disposition", einem DER Hits der Band geheult hat. 2009 verkauften sie noch das Kölner Gloria aus und präsentierten eine eindrucksvolle Show, heute stehen sie auf der ganz großen Bühne in der Landeshauptstadt. Sänger Dougy Mandagis hält es dann nach einigen Songs auch nicht mehr auf der Bühne und er wagt sich runter in den Graben, um auf Tuchfühlung mit dem Publikum zu gehen.

The Temper Trap

Mount Kimbie aus London geben sich anschließend auf der Carhartt WIP Stage die Ehre. Das Post-Dubstep-/Ambient-Duo Dominic Maker und Kai Campos präsentiert neben bekannten Songs auch Material aus dem am 08. September erscheinenden Album "Love What Survives", bevor es dann auf der Hauptbühne ans Eingemachte geht. Der Däne Trentemøller, der Anfang der 90er eigentlich mal Rockstar werden wollte beehrt unser Städtchen samt Band auf seiner "Fixion"-Welttournee und hat neben Drums, Gitarre und Bass auch Gastsängerin Marie Fisker dabei. Ein bißchen Rockstar-Tum hat er also doch erreichen können. Seine Electro-Songs, die mal rockig, mal atmosphärisch sind und mal dynamisch pulsieren sorgen dann zum Tagesabschluss dafür, daß auch der letzte Gast zumindest mit dem Fuß wippt.

Trentemøller

Und wer DANN noch nicht genug hat, dem heizt Eiger Nordwand final auf der Carhartt WIP Stage als Abschied nochmal ein. Der grandiose Tag geht also zu Ende, wie er begann.

Alle weiteren Photos der Künstler findet ihr hier bei Facebook:

Love Machine

Posted by Quinten Quist Konzertphotographie on Sonntag, 23. Juli 2017

Das komplette Line-Up:

Trentemøller, The Temper Trap, Antilopen Gang, Austra, Die Sterne, Love Machine, Mount Kimbie, Gaika, Ogoya Nengo & The Dodo Women's Group, BAR, Illa J, Chogori, Eiger Nordwand, Alpentines, Bellchild, Karlsson, Robin Soho, Suzan Köcher, Tired Eyes Kingdom, WATT!, We Are Rome

Es ist logistisch kaum möglich, an diesem Sommertag alles mitgenommen, mitgemacht und gesehen zu haben. Aber eigentlich ist das auch zweitrangig, denn das Open Source Festival versprüht seinen ganz eigenen Charme, bietet Erholung und Erlebnis direkt um die Ecke, fußläufig, mit der Straßenbahn oder dem Bus erreichbar. Man trifft auf neue und alte Bekannte, entdeckt neue Musik erstmals und alte Musik wieder neu. Und genau das ist es, was dieses Festival auszeichnet. Internationale Acts verschiedenster Genres, ein familiärer freundschaftlicher Flair und ein zauberhaftes Ambiente inmitten des Grafenberger Waldes mit herrlichem Aus- und Weitblick. Daß die 2018er Edition bereits in Planung ist, war unschwer zu Beginn dieses Artikels zu erahnen und ich empfehle jedem, wenigstens einmal einen Tag auf diesem tollen Festival mitzuerleben. Open Mind - Open Source.

In diesem Jahr findet das 12. Open Source Festival in Düsseldorf und erneut auf der schönen Galopprennbahn im Grafenberger Wald statt. Das wunderbar persönliche Open Air hat sich zu einem Event-Eckpfeiler für Fans von elektronischer und Indie-Musik etabliert und bringt jedes Jahr internationale Top-Acts in die Landeshauptstadt.

Dieses Jahr stehen auf zwei Bühnen u. a. neben den australischen The Temper Trap ("Love Lost") sowie den kanadischen Austra auch der dänische DJ Trentemøller neben der Düsseldorfer Antilopen Gang ("Beate Zschäpe hört U2") auf der Bühne.

Das komplette Line-Up:

Trentemøller, The Temper Trap, Antilopen Gang, Austra, Die Sterne, Love Machine, Mount Kimbie, Gaika, Ogoya Nengo & The Dodo Women's Group, BAR, Illa J, Chogori, Eiger Nordwand, Alpentines, Bellchild, Karlsson, Robin Soho, Suzan Köcher, Tired Eyes Kingdom, WATT!, We Are Rome

Das macht das Festival so besonders:

Nicht nur, daß die Macher in einer tollen Location bei Wind und Wetter auf eine gute musikkulturelle Mischung aus modernem Pop, Indie und Elektro setzen, nein, sie gehen die Extrameile und erweitern das Angebot auch für Künstler anderer Arten. So wird es auf 18(!) 3x3 Meter großen Flächen die sogenannten Open Squares geben, auf denen sich Visionäre und Talente aus den Bereichen Design, Architektur, Grafik, Kunst, Mode, Produkt, Film, Fotografie verwirklichen und präsentieren können. Zudem präsentiert die Kunsthochschule für Medien Köln unter dem Arbeitstitel >> KHM x OSF << bereits seit 2009 aktuelle künstlerische Positionen und Konzepte auf dem Festivalgelände. Junge Künstlerinnen und Künstler aus der Klasse von Professor Mischa Kuball zeigen teils unter Einbeziehung der lokalen Gegebenheiten zum Beispiel Videoinstallationen, Experimentalfilme oder Klangskulpturen. Aftershow-Parties sind selbstverständlich und in der Regel schnell ausverkauft. Also haltet euch ran!

Tickets:

Das Festivalticket kostet im Vorverkauf 36 € zzgl. Gebühren. Alle Online-Kaufoptionen findet ihr hier. Ebenso findet ihr hinter dem Link die Stores in Düsseldorf und Köln, in denen ihr die Tickets bis zum 07. Juli (Ladenschluss) kaufen könnt. Restkarten bietet der Veranstalter soweit verfügbar noch am 08.07.2017 ab 12:00 Uhr an der Tageskasse (Haupteingang Galopprennbahn) zu 46,- € an.

Alle weiteren Infos findet ihr hier auf der Festivalwebsite und hier geht's zum FB-Event.