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Ein bißchen Indie/Post-Pop mit Elektro-Einflüssen geht immer. Bzw. bald nicht mehr, denn die Wahlberliner I Heart Sharks sagen Adé. Pierre Bee, Simon Wangemann, Martin Wolf und Craig Miller geben nach 10 Jahren die Auflösung der Band bekannt:

"After 10 years as I Heart Sharks we have decided it is time to say “Auf Wiedersehen”. Surprisingly enough, even after spending hundreds of days and thousands of hours holed up together in tour buses, tiny hotel rooms, scorching hot practice rooms, freezing cold studios, waiting for planes at airports or stranded by the side of motorway after a tyre burst, we are still great friends and will hopefully remain so long after our band’s existence. We would like to thank all of you from the very bottom of our shark hearts.

This has been a dream - and in some dark times a nightmare - that we have been able to live only because enough of you love our music as much as we do. Thank you for turning up to our concerts, thank you for listening to our songs, thank you to all who helped and gave hours of their lives for us for free, thank you for making a bunch of confused twenty-somethings feel like they had a sense of direction in life."

Zuletzt war die Band z. B. mit den White Lies unterwegs. Ich selbst habe sie bei Fuchs & Hase im Düsseldorfer Treibgut open air live erlebt. Wenn ihr die Band ein letztes Mal sehen möchtet, habt ihr hier die Gelegenheit:

07.09. München – Strom
08.09. Hamburg – Übel & Gefährlich
14.09. Köln – Luxor
15.09. Berlin – Lido

Tickets gibt's hier.

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Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Jahresrückblicke knospen allerorten wie übereifrige Schneeglöckchen. Es scheint also an der Zeit, ein paar Worte zu verfassen. Rein rational ist der Moment an Mitternacht am 31.12. zwar tägliche Routine und es ist nichts Besonderes dabei, aber irgendwie muss(?) man ja einen Zeitraum für ein Resümee festlegen.

Für mich war es ein spannendes, lehrreiches und auch irgendwie erfolgreiches Jahr. Ich konnte viele neue Leser für mein kleines und dennoch breitgefächertes und (das ist eben mein Hauptfokus) persönliches Magazin begeistern, habe wirklich unerwartetes (und überwältigendes <3) Lob erhalten für das, was ich aus Leidenschaft zur Musik tue (und mit dessen Ausmaß ich nicht annähernd gerechnet habe).

Vermutlich langweilt es den ein oder anderen Leser gewaltig, jedes Detail zu reflektieren. Wir haben ja alle keine Zeit. Und geben wir es zu: Wir haben auch keinen Bock 😜. Deshalb nachfolgend mein "Executive Summary" in Zahlen und Fakten für alle, die es bis hierhin geschafft haben und neugierig bleiben:

Sechs komplette Festivals habe ich dieses Jahr mit der Kamera und in Worten begleiten dürfen:

Complexity Fest 2017 (Haarlem, NL)
Open Source Festival (Düsseldorf, GER)
Eier Mit Speck 2017 (Viersen, GER)
Vainstream Festival 2017 (Münster, GER)
Malmö Festivalen 2017 (Malmö, SWE)
Euroblast 2017 (Köln, GER)

Insgesamt habe ich darüber hinaus (mit der Kamera) 46 einzelne Shows mit zusammengerechnet 123 Auftritten dokumentiert, und das grenzübergreifend in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Schweden, Dänemark und Tschechien. Zusammen mit den Festivals müssen es damit ca. 200 Einzelauftritte gewesen sein.

Meine fünf Alben des Jahres:
The Hirsch Effekt - Eskapist
Leprous - Malina
Turnover - Good Nature
Citizen - As You Please
The Contortionist - Clairvoyant

Meine fünf Konzerte des Jahres (eigentlich unmöglich, es herunterzubrechen, aber versuchen wir's):
Uneven Structure/Twelve Foot Ninja, Düsseldorf (GER)
Parkway Drive, Düsseldorf (GER)
Agent Fresco/Leprous, Vosselaar (BE)
Underoath, Köln (GER)
MyTerror, Prag (CZ)

Mein Festival des Jahres:
Euroblast. Ohne Worte. Phantastische Musiker, glückliche Gesichter aus aller Welt überall, Backstage-Zugang und somit jede Band von Anfang bis Ende sehen und photographieren können. Das Festival ist jedes Jahr wieder ein einzigartiges Erlebnis. Auch wenn ich gerne erwähnen möchte, daß auch das ehrenamtliche Team vom Eier Mit Speck grandiose Arbeit leistet und internationale Top-Acts wie Devin Townsend, Agent Fresco, Turbostaat oder die Indie-Newcomerin Alice Merton in familiärer Atmosphäre für einen unglaublich fairen Preis an den Niederrhein holt. Meine Hochachtung!

Mein Moment des Jahres:
Eigentlich gibt es zwei Momente. Da wären zuerst gut 30 Minuten Videointerview mit den super sympathischen Crossover-/Neofusion-Göttern Twelve Foot Ninja vor ihrer Show in Düsseldorf. Da sitzen fünf ausge-/erwachsene Vollblutmusiker vor Dir und stehen Dir mit Humor und zugleich professioneller Ernsthaftigkeit Rede und Antwort, während Igor, Gitarrist bei Uneven Structure, im Hintergrund tätowiert wird und die Nadel leise vor sich hinsurrt.
Der zweite Moment war jener, als mich Arnór nach der Agent Fresco-Show in Belgien auf die Bühne rief und ich das Publikumsphoto zusammen mit der Band schießen konnte. Diese zehn Sekunden, in denen man es total versauen kann oder einfach alles gut läuft. Und das tat es glücklicherweise.

Mein peinlichster Moment des Jahres:
Es läuft aber auch nicht immer alles rund. Nach zehn Minuten Videointerview mit Twelve Foot Ninja bemerken, daß die Batterien im Mikrofon fehlen...autsch. Die Jungs konnten aushelfen und haben es mir nicht übel genommen. Eine Geschichte mehr...

Famous last words:
Ich möchte besonders all denen - euch - danken, die hier immer wieder reinklicken, mir Lob aussprechen und mich in dem bekräftigen, was ich tue, bei den PR-Agenturen, Band-Managerinnen und -Managern, Veranstaltern und Bands, die es mir ermöglicht haben, großartige Shows zu dokumentieren und Platten zu rezensieren, lange bevor sie offiziell veröffentlicht werden - und natürlich auch bei (um die oberen Köpfe der Hydra zu benennen) Piety, Kai und René von Time For Metal für ihre tolle Arbeit und alles, was ich dank dieses tollen Magazins auf der Haben-Seite verbuchen kann. Außerdem gilt mein Dank den vielen Photographen, mit denen zusammen das Erlebnis einer Show nochmal um Einiges wertvoller, lustiger und unterhaltsamer ist.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr - und seid nett zueinander ✌🏼.
Wir lesen uns wieder 😊.

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Photo: Chris Cuffaro

Die 90er waren das Jahrzehnt des Grunge. Ich hatte lange Haare, abgeschnittene Bundeswehrhosen und Michael Jordan Basketballschuhe an und trug Pearl Jam-Shirts in XL (die mir nicht mal heute passen). Bands wie eben erwähnte Pearl Jam, Alice In Chains, Mudhoney, Mother Love Bone, Candlebox, Temple Of The Dog, Mad Season oder Nirvana waren omnipräsent und prägten eine Generation. Zu ihnen gehörten auch Soundgarden, die Band um den charismatischen Sänger Chris Cornell. Verglichen mit  manch anderer Seattle-Band hatte Cornell eine ungewöhnliche Stimme, die vier Oktaven umfasste und die gerade deshalb so faszinierend war. Eine Rockband mit einem derartigen Organ...herausragend.

1995 - ich war gerade 15 Jahre alt - sah ich die Band das erste Mal live in Oberhausen auf der "Into The Superunknown"-Tour mit Kyuss, Pennywise, Blind Melon, Reef und Sponge als Vorbands. Was für ein Erlebnis. Stone Gossard am Bass verprügelte sogar noch einen "Fan", der ihn angespuckt hatte. Blind Melon waren kurz danach Geschichte, da der Sänger an einer Überdosis verstarb. Und die Hoffnung wuchs, daß die Musikszene aufwacht und sich die Großen wie auch Layne Staley von Alice In Chains fangen würden und nach dem Tod von Andy Wood 1990 (Mother Love Bone), für den Temple Of The Dog ins Leben gerufen wurde den Drogen entsagen. Staley verlor den Kampf und folgte dann in 2002, ebenfalls verstorben an einer Überdosis Heroin. Chris Cornell hingegen schaffte den Absprung und machte eine Therapie, wurde clean.

Und auch wenn sich Soundgarden 1997 auflösten, war er immer da. Sein erstes Solo-Album "Euphoria Morning" lief bei mir rauf und runter, Jahr ein, Jahr aus. Wem seine Stimme oder sein Auftreten - auch nach dem "Great Expectations"-Soundtrack mit dem unerreichten "Sunshower" oder dem Zusammenschluss mit den Rage Against The Machine-Musikern unter dem Namen Audioslave 2001-2007 (vormals als Civilian ins Leben gerufen) - bis dahin aus unerfindlichen Gründen verborgen geblieben waren, der lernte ihn spätestens mit dem James Bond-Titelsong "You Know My Name" für "Casino Royale" kennen.

Bei Rock Am Ring 2009 sah ich ihn nochmal live, solo. Und auch wenn die Show nicht so mitreißend war wie erhofft - vielleicht lag es an der Tageszeit - so war ich froh, daß ich diesen Moment miterleben durfte.

Just erschienen Jubiläumsausgaben der Alben "Ultramega O.K." und "Badmotorfinger". Seine neue Single "The Promise" für den gleichnamigen Film mit Christian Bale erschien Mitte März. Und das soll nun auch das Vermächtnis eines des großartigsten und prägendsten Künstlers der modernen Rockmusik sein. Am 17. Mai verstarb der Musiker aus bislang ungeklärter Ursache, unerwartet und überraschend - im Alter von nur 52 Jahren. Farewell, Chris Cornell. Thank you for the music <3!

Nachtrag am 19. Mai 2017: Cornell nahm sich selbst das Leben und hinterlässt eine Ehefrau sowie drei Kinder. Wir wissen nicht, was in ihm in diesem Moment vorgegangen ist. Dennoch: Achtet auf eure Mitmenschen. Und unterstützt Innitativen, die sich dem Thema Depressionen widmen, z. B. die Robert Enke Stiftung.

Am 20. August 2016 ist Tom Searle, Gitarrist der Architects nach dreijährigem Kampf gegen den Krebs verstorben. Ich werde mir nicht anmaßen, als Fan, der den Musiker persönlich nie gesprochen hat einen unglaubwürdigen Nachruf zu verfassen. Ergreifendere Worte kann kaum jemand besser wiedergeben als sein Bruder Dan. Hier könnt ihr sie nachlesen. Das Hospiz, das sich in den letzten Tagen um Tom gekümmert hat, ist auf Spenden angewiesen und könnt ihr hier unterstützen.

Ein Fan hat aus Photos und Videosnippets ein Erinnerungsvideo zum Song "Memento Mori" zusammengeschnitten. Nichts für schwache Nerven :/. Nur das Beste für Deine letzte Reise, Tom.

Erneut hat die Depression gesiegt und wir versagt. Achtet auf euch, eure Freunde, Familien und alle, die um euch rum sind. Kümmert euch! Wer darüber hinaus aktiv werden möchte, kann z. B. hier bei der Robert Enke Stiftung gerne unterstützen.

"Depression is a sickness, not a weakness."

Neben Rock- und Metalproduktionen schlägt mein Herz seit ewigen Jahren und spätestens seit den Cherry Poppin' Daddies und Brian Setzer auch für Big Band-Arrangements. Am 24.03.2016 schon verstarb Roger Cicero, den ich im Jahr der Veröffentlichung des nachfolgenden Songs das erste Mal hörte und dessen Stimme sofort hängenblieb. Schlaganfall mit 45. Es ist einfach traurig.

Wieder einmal hat der Krebs gesiegt 😞. Nach zwei Jahren Krankheit stirbt Joe Skyward, Ex-Bassist der Emo-Koryphäen Sunny Day Real Estate im Alter von 57 Jahren. Farewell.

Sein Vorgänger war übrigens Nate Mendel, der seit 1995 bei den Foo Fighters am Bass steht. Auch ihr aktueller Drummer, William Goldsmith, war von 1995-1997 für Dave Grohl tätig.