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Photo-Galerie und Konzertbericht: The Hirsch Effekt und Ancorae im Stone im Ratinger Hof, Düsseldorf

Da ist er also gekommen, der 50. und letzte Tag (bzw. die letzte Show) der "Eskapist Tour" von The Hirsch Effekt. Und diese Mammut-Reise geht ausgerechnet in Düsseldorf und nicht gar in der Heimatstadt der Paarhufer - Hannover - zu Ende. Freude! Es ist meine dritte Show der Tour (und ich glaube, mein fünftes Konzert der Band insgesamt) und die Vorfreude groß.

Präsentiert von VISIONS, FUZE, SLAM, MORECORE, PRETTYINNOISE, FRITZ-KOLA und IMG Stageline hat der lokale Veranstalter Beer & Music diesen für die Landeshauptstadt musikalisch eher untypischen "Geheimtipp" (nach der Reise sollte sich das nun auch endgültig erledigt haben) in die altehrwürdige Punkzentrale der Altstadt Stone im Ratinger Hof geholt und meine Befürchtung, daß sich die oft zitierte und viel zu selten bewahrheitete "Rockcity" Düsseldorf bedeckt halten wird, widerlegte sich dann im Laufe des Abends aber überraschend und zum Glück. "Indielectropostpunkmetalmathcore" klappt also auch bei uns. Hervorragend.

Mind Like Hurricanes sind als Support wegen Krankheit leider zurückgetreten und Ancorae aus Monheim sind spontan für sie eingesprungen. Um 20:30 Uhr geht's dann los und Ancorae steppen hochmotiviert auf die Bühne, die Erfahrung aus diversen Live-Shows z. B. im Musikbunker Aachen, der Kölner Essigfabrik oder dem The Tube in der Altstadt im Gepäck. Die Vier um Sänger und Gitarrist Joe Sila präsentieren musikalisch und showtechnisch (Thrash)Metal(core) der Kategorie Trivium/Bullet For My Valentine und haben als Überraschung auch ihre aktuelle Platte "My Origin" erstmals als physischen Tonträger mit dabei. Solides Set und souveräne Einstimmung auf den Headliner.

Gegen 21:25 Uhr geht's dann weiter mit den Hirschen. Wie gewohnt und ein Muss ertönt "Like A Bridge Over Troubled Water" von Simon and Garfunkel als Intro und gerade heute treibt es einem die Gänsehaut auf die bebende Unterlippe. Moritz, Nils und Ilja machen am heutigen Abend wie gehabt keine Gefangenen. Soviel Energie und das nach 49 Shows. Und auch das Publikum versucht sich eingangs an einem Moshpit, erkennt aber schnell, daß die Polyrhythmik der Songs nicht sonderlich gut dazu geeignet ist, um sich durch den Laden zu schubsen. Mir soll es recht sein, kann ich die Musik der Drei so deutlich entspannter genießen. Wir sind ja keine 20 mehr^^.

"Einen schönen Club habt ihr, die Bühne ist ja schon...ziemlich klein." Der Vorschlag, daß sie einfach im Publikumsraum spielen und wir uns auf die Bühne stellen wird schnell verworfen. Aber trotz der Bühnendimensionen hält nichts Nils auch nur eine Sekunde an seinem Platz und auch Ilja wagt des Öfteren den Schritt auf den Egoriser mitsamt integrierter und beleuchteter Nebelkanone. Und auch Mo(ritz) nutzt gerne sein gesamtes Körpergewicht, um der Bassdrum nach einem Sprung in die Luft einen extra Kick mitzugeben.

"Jetzt kommt ein neuer Song, irgendwas mit 'X'...ich kann es selbst gar nicht aussprechen...Xaver." Und dann folgt - wer hat es erahnt? - die Kleinbürger-Prokrastinationshymne "Xenophotopia". Und an Ansagen spart die Band auch nicht. Nils merkt an, daß er sich gar nicht sicher sei, ob er heute Abend schon was gesagt habe (da Ilja eingangs die Kommunikation übernommen hat) und er blickt auf die zurückliegende Tour zurück mit den Worten "Moritz und ich hatten eine Menge Spaß. Und Ilja war auch dabei.". Ansagen wie diese bringen natürlich extra Sympathiepunkte, denn so ernst die Texte der Songs sind und so professionell und penibel die musikalische Umsetzung der studierten Musiker, so bodenständig und publikumsnah sind sie geblieben. Das ist die Mischung, die diese Band so besonders und liebenswert macht.

Hits wie "Berceuse" oder den Gänsehautgaranten "Inukshuk" vom aktuellen Album  "Eskapist" sind heute auf dem Speiseplan, ebenso wie massig ältere Nummern. Und das Publikum hat sich nicht zufällig hierher verirrt. Nein, in einem fort werden die Texte lauthals mitgesungen, mitgeschrien, miterlebt. Ein Traum. Der Egoriser scheint Nils irgendwann nicht mehr genug und er erklimmt eine am anderen Ende des Ladens stehende ca. 1,70m hohe Kiste, von der die Gäste schnell die leeren Bierflaschen abräumen, spielt von da mit Blick zur Bühne weiter.

Gegen 22:25 Uhr verlassen die Drei dann erstmals die Bühne. Eine Zugabe spielt die Band noch nach eindringlicher Bitte des Publikums und das Einzige, was heute irgendwie fehlt, ist Mos abschließender Sprung von seinem Drumkit was aufgrund der Deckenhöhe einfach unmöglich ist. Alles in allem ist dieser Abend ein wahrlich würdiger Tour-Abschluss mit vielen erinnerungswürdigen Momenten. Und wer mag kann auch noch kurz mit den Hirschen am Merch-Stand quatschen und sich allerlei Devotionalien signieren lassen, was auch von den Fans dankend angenommen wird.

Leider mussten die Herren relativ zügig wegen der anstehenden Party abbauen und abreisen, was man ihnen nach fast pausenlosem Touren seit Oktober 2017 auch gönnt. Danke und kommt bitte und gerne wieder!

Alle weiteren Photos findet ihr hier bei Facebook:

➡ The Hirsch Effekt ➡ ANCORAE @ Stone im Ratinger Hof, 10.03.2018 © 2018 www.quintenquist.com - Please tag this...

Posted by Quinten Quist Konzertphotographie on Sonntag, 11. März 2018