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Review: Tiny Moving Parts – Swell

Artist: Tiny Moving Parts
Album: Swell
Erscheinungstermin: 26. Januar 2018
Label: Big Scary Monsters
Gesamtlänge: 31:58 Min.
Link zur Band: https://www.facebook.com/tinymovingparts/

Tracklist:

01. Applause
02. Smooth It Out
03. Feel Alive
04. Caution
05. Wildfire
06. Whale Watching
07. It's Too Cold Tonight
08. Malfunction
09. Wishbone
10. Warm Hand Splash

Im Winter 2017 sollten Tiny Moving Parts ursprünglich auf deutschen Bühnen als Support von Knuckle Puck zusammen mit Movements das hiesige Publikum begeistern, vermutlich auch bereits mit Songs des kommenden Albums "Swell", das am 26. Januar via Big Scary Monsters in Deutschland erscheint. Aber es kam anders und aus Respekt gegenüber der Entscheidung des Headliners soll die Absage der Tour hier nicht weiter thematisiert werden.

Damit es bis zum Release der Platte aber nicht gänzlich still um das Trio aus Minnesota bleibt, hat die Band Ende November die Single "Caution" veröffentlicht und erst kürzlich den Opener “Applause” nachgelegt. Zehn Tracks umfasst das vierte Album (unter Regie eines Labels) der Band, daß trotz der Minimalbesetzung einen unglaublich dichten und detaillierten Sound aufweist. Als großer DARTZ!-Fan (R.I.P.) trifft die Mischung aus Emo, poppigem Post-HC, Indie und Mathrock bei mir voll ins Schwarze.

Tiny Moving Parts ist eine Familienangelegenheit. Denn hinter dem Namen verbergen sich Dylan Mattheisen und seine beiden Cousins Matthew (Bass und Background-Gesang) und Billy Chavalier (Drums), die sich in der Junior High School als Band zusammengefunden haben. Nur ein gutes Jahr nach ihrem letzten Album "Celebrate", das erstmals auf Big Scary Monsters hierzulande erschien schicken die Drei also nun Ende Januar 2018 mit “Swell” die nächste Scheibe ins Rennen.

Los geht's mit "Applause", einem Song, der schon in den ersten Sekunden den Druck und die Energie der Platte widerspiegelt. Mattheisens Gitarrenarbeit ist sowohl verspielt wie auch straight, eben so, wie es für den Song im jeweiligen Moment am Besten passt. Die Melancholie und Wehmut, die schon auf "Celebrate" vorherrschten finden sich - und das merkt man bereits nach den ersten Takten - auch auf "Swell" wieder, verpackt in feine Melodien und persönliche Texte.

"Smooth It Out" beschreibt die Niedergeschlagenheit, die guten Ratschläge anderer und den Versuch, nicht zu stagnieren, sondern seinen Weg zu finden. Musikalisch setzt die Band hier neben der klassischen Besetzung zudem Synthie-Klänge ein, die den Song melodiös unterstützen. "Feel Alive" ist eine vertracktere Nummer, die mit allerlei instrumentenübergreifenden Breaks aufwartet, aber dennoch nicht ihre Lebhaftigkeit und ihren Drive verliert. Song Nummer 3 ist auch der erste jener, bei denen eine weitere Stimme die Musik mitformt. "I still miss you" singt jene Sängerin, die auch bereits auf “Celebrate” partizipierte zart und zerbrechlich, während Mattheisen seinen Gefühlen freien Lauf lässt und energisch wiederholt, was sie vorgibt. Trotz ausgiebiger Recherche konnte ich leider nicht herausfinden, um wen es sich bei der weiblichen Gaststimme handelt.

Die Single "Caution" führt weiter, was mit "Feel Alive" begann. "You are caffeine in my blood stream", singen Mattheisen und die weibliche Stimme bekenntnisvoll im Duett - ein Treueschwur.

"Wildfire" macht eine Kehrtwendung. Aus Vertrautheit und Zweisamkeit wird ein Trennungsstrich. Mit einer verspielten Gitarrenlinie (vor der das Album nur so strotzt) und hektischen Drums lässt Mattheisen eine Beziehung Revue passieren, unterbrochen von einem wehmütigen und zurückhaltenden Zwischenteil, alles final in einem endgültigen "I think you wish I'd pass in a crash" mündend. "Whale Watching", ein etwas seltsam anmutender Titel. Inhaltlich kämpft der Song mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit, nicht zu reichen, melancholisch erneut durch Synthies untermalt. "I am the pont. You wanted an ocean." Spätestens jetzt zur Mitte der Platte ist man als Hörer im Strudel der Emotionen der Band vollends gefangen.

"It's Too Cold Tonight" ist die wohl deutlichste Bekundung der Zerrissenheit Mattheisens. Zeilen wie “I am meaningless, I serve no purpose” und der Ruf nach Hilfe, nach Halt werden ausnahmsweise nicht in bunten Wortspielen verpackt präsentiert, sondern dem Hörer eiskalt auf dem silbernen Tablett serviert. Und auch die fragile Stimme der unbekannten Sängerin findet erneut ihren Platz im 02:51 Minuten kurzen Song. Das anschließende “Malfunction” zieht das Tempo wieder an, jedoch das zerstörte Selbstbewusstsein, ver- und alleingelassen zu werden bleiben, wenngleich mit einer Mischung aus Frust, Bedauern und Unverständnis, verpackt in sowohl ruhigen Parts wie auch energiegeladenen Momente, die wie heiße Quellen zu explodieren drohen.

Mit "Wishbone" schlägt die Band epischere Töne an und setzt sogar gesanglich auf chorale Elemente, latent unterstützt durch einfache Klavierklänge. Die verspielte Gitarrenlinie der Strophe ist wieder einmal ein gutes Beispiel der Detailverliebtheit der Band, die sich nur mit einfach angeschlagenen Akkorden nicht zufrieden gibt, sondern gerne die extra Meile geht.

"Warm Hand Splash", die letzte Nummer auf “Swell” ist mit drei Minuten und 53 Sekunden dann auch wirklich der längste Song der Platte. Und wenn ich nach soviel aufwühlenden Momenten die gesamte Platte über noch richtig mitgezählt habe, wiederholt sich im Schlusssong kein einziger Teil. Erneut chorale Parts, eine herzzerreißende - nennen wir es - Refrainmelodie mit einfachen, zurückhaltenden Streichern, das Outro charakterisiert durch eine simple, aber effektive Trompetenmelodie...Tiny Moving Parts legen noch einmal alles, was sie haben in die Waagschale und mit soviel Last auf dem Herzen und soviel Spielfreude in den Fingern ist das einiges. “Could you please keep the light on for me?” Aber sicher doch. Wir möchten ja, daß ihr den Weg auf europäische Bühnen zurückfindet.

Fazit:

Mit “Swell” hat das Trio aus Minnesota ein cleveres, detailverliebtes kleines Meisterwerk geschaffen, denn nicht viele schaffen es, eingängige Melodien, einen organischen und authentischen Sound und crunchy Indie-/Emo-Kompositionen mit anspruchsvollen Mathrock-Elementen zu verknüpfen, ohne dabei konstruiert, klinisch oder seelenlos zu klingen.  Tiny Moving Parts setzen nicht auf die hundertprozentige Perfektion oder schieben Akzente einzelner Instrumente haarklein am Rechner übereinander, sondern lassen ihrer Musik den Charakter, das Leben, die Passion. Hat man der Band oft den Klamauk des Pop-Punks nachgesagt und sie mit Blink-182 verglichen, so mag hier maximal die Spielfreude ähnlich sein, aber die Versiertheit und Ernsthaftigkeit unterscheiden sich um Welten. Mattheisen ist ein Meister darin, Bilder mit Worten zu malen, Analogien zu entwickeln und damit offen zu kommunizieren, was ihm auf dem Herzen lastet. “Swell” braucht vielleicht für den ein oder anderen ein paar Durchgänge, bis sich seine Gesamtheit greifen lässt, aber dann wird man das Album auch nicht mehr los - und man will es auch nicht mehr hergeben. Schon jetzt eine der besten Platten 2018.

Anspieltipps:

Feel Alive, Caution, It's Too Cold Tonight

Kaufen könnt ihr die Platte direkt bei der Band oder beim Label.

Bewertung:

2 Gedanken zu „Review: Tiny Moving Parts – Swell

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