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Review: 36 Crazyfists – Lanterns

36_Crazyfists_Lanterns

Artist: 36 Crazyfists
Album: Lanterns
Erscheinungstermin: 29. September 2017
Label: Spinefarm Records
Gesamtlänge: 46:32 Min.
Link zur Band: https://www.facebook.com/36crazyfists/

PreOrders: z. B. über Spinefarm Records UK

Tracklist:

01. Death Eater
02. Wars To Walk Away From
03. Better To Burn
04. Damaged Under Sun
05. Sea And Smoke
06. Where Revenge Ends
07. Sleepsick
08. Bandage For Promis
09. Below The Graves
10. Laying Hands
11. Old Gold
12. Dark Corners

36_Crazyfists
Photo: Bobby Bates Photography

Nach dem 2015er 36 Crazyfists-Album "Time And Trauma", das in den USA in den Billboard Heatseeker Charts auf Platz 2 gelandet ist, kehrt das Quartett aus dem frostigen Anchorage, Alaska mit "Lanterns" nun im Spätsommer 2017 zurück.

Im 23. Jahr nun machen Brock Lindow (Gesang) und Steve Holt (Gitarre) zusammen unter dem Namen 36 Crazyfists Musik. Und auch wenn Mick Whitney (Bass) und Kyle Baltus (Schlagzeug) nicht zu den Gründungsmitgliedern gehören und Mick zwischenzeitlich vier Jahre abstinent war, so sagt die Band, sie sei nicht eine selbige, sondern eine Familie. Lindow, der nach familiären Veränderungen mit seiner ganz persönlichen Depression zu kämpfen hatte, schrieb sich während der Arbeit auf einem Lachskutter die Trauer von der Seele und legte damit den Grundstein für das neue Album.

„'Lanterns' stehen für das Licht, nach dem wir alle suchen. Die Songs drehen sich alle um das Ringen, es zu finden, nach vorne zu schauen und hinter uns zu lassen, was uns in unserem Leben innerlich zurückgehalten hat. Jeder hat auf irgendeiner Ebene mit Depression zu kämpfen. Es geht darum, wie man da raus kommt, einen Fuß vor den anderen setzt, aufsteht und in so einer dunklen Zeit weiterlebt."

Los geht's mit "Death Eater", dessen Namen sie aus Harry Potter entliehen haben und 36 Crazyfists drücken direkt auf's Gaspedal. Circle Pit-Alarm. Was sofort auffällt ist die natürliche Abmischung der Platte. Da klackert der Bass, da scheppert das Schlagzeug (im positiven Sinne) und die Bassdrum kickt wie in den frühen 2000ern, da beißt der Gitarrensound. Im Zwischenteil sieht man förmlich die Faust-Meere in der Luft auf der nächsten Show der Nordamerikaner.

"Wars To Walk Away From" bringt dann eine etwas psychedelischere Stimmung mit sich, die schön vom melodiösen Refrain aufgelöst wird. Lindows Stimme hat über die Jahre nichts an Authentizität eingebüßt und seine Balance zwischen Screams, Shouts und Melodien ist ausgewogen und clever wie eh und je.

"Better To Burn" ist strophentechnisch etwas sperriger, wird aber 36CF-typisch im Refrain aufgelöst. "Damaged Under Sun" beginnt perkussiv mit Drums und Bass, der hart angeschlagen mehr Schlagwerk denn Saiteninstrument ist. Verglichen zu den Refrains der vorangegangenen Songs ist jener schwerer greifbar und erschließt sich nicht umgehend. Macht aber nichts, wir haben Zeit.

Das zurückhaltend beginnende "Sea And Smoke" öffnet die Platte für melancholische Momente, die viel Raum für Lindows charakteristische Stimme und leidende Gesangslinien geben. In diesem Modus geht es weiter mit "Where Revenge Ends", bei dem eine schrabbelige Akustikgitarre den Ton angibt. Man stelle sich eine marode Blockhütte im verschneiten Arctic Village vor, eine Fell tragende Person mit Zottelbart vor einem schwach glimmenden Kamin...wäre der Song ein Pinsel, könnte er dieses Bild malen.

Genug getrauert. "Sleepsick" weckt den Hörer mit einem Shuffle-artigen satten Riff aus seiner Verlorenheit. Der massiven Wand aus Doublebass-Attacken wird noch ein ruhiger Zwischenteil gegenübergestellt. "Bandage For Promis" startet mit der tiefen erzählähnlichen Stimme Lindows und nimmt dann langsam Fahrt auf. Und hier erklingt dann auch das erste Gitarrensolo der Platte, das in seiner Zurückhaltung vielleicht auch mehr Melodiepart sein soll, aber gar nicht hätte sein müssen. Dadurch, daß der Bass in diesem Moment alleine den Song tragen muss, wirkt der Gitarrenpart ein wenig verloren und der Song schwächelt subjektiv betrachtet etwas.

"Laying Hands" ist ein klassischer 36CF-Song. Spannungsaufbauende Strophe, treibender Refrain. Und hier findet sich das nächste Solo, dieses Mal etwas ausgereifter, aber auch jenes nimmt dem Song ein wenig das Futter. "Below The Graves" hat beinahe thrashigen Charakter, besonders in der Bridge des Songs. Das Halftime-Strophenriff erinnert hier und da an Killswitch Engages "Rose Of Sharyn" und schiebt den Metalcore-Vibe ins Trommelfell. Und ob 36CF jemals einen dermaßen aggressiven C-Teil geschrieben haben...hossa. Macht lieber die Zimmertür zu, wenn ihr die Nummer anschmeißt.

"Old Gold", das vorletzte Stück der Platte bringt dann wieder den psychedelischen Ansatz zurück, wirkt angriffslustig und hinterlistig. Dessen böööse Bridge leitet über in den erwartet melodiösen Refrain, der schizophren teils mehrstimmig interpretiert wird und zur Mitte des Songs in eine Art Breakdown kippt. "Dark Corners", der Abschluss der Platte, ist eine schwermütige Nummer mit charakteristischer unverzerrter Gitarre. Zum Ausklang unterstützen verhalten (elektronische) Streicher die Stimmung.

Fazit:
36 Crazyfists bieten auf "Lanterns" das volle Spektrum dessen, was sie können und auszeichnet. Der organische Sound der Platte bereichert ganz klar die Authentizität des Werks und versetzt den Hörer in die "guten alten Zeiten". Etwas Neues wird man hier nicht finden. Wen das nicht stört, der ist mit "Lanterns" gut bedient. Solides und bewährtes Songwriting, technisch einwandfrei umgesetzt und eine Stimme wie Lindows findet man in der Form einfach kein zweites Mal. Schwermut, Melancholie und auch Frustration dominieren die Stimmung der Scheibe und ihre Veröffentlichung zur herbstlichen Jahreszeit trägt sicher zur Verinnerlichung der Songs bei.

Anspieltipps: Wars To Walk Away From, Sea And Smoke, Sleepsick

Bewertung:

Ein Gedanke zu „Review: 36 Crazyfists – Lanterns

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