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Review: Wage War – Deadweight

Wage War Deadweight

Artist: Wage War
Album: Deadweight
Erscheinungstermin: 04. August 2017
Label: Spinefarm Records
Gesamtlänge: 39:43 Min.
Link zur Band: https://www.facebook.com/wagewar/

PreOrders: z. B. via Impericon

Tracklist:

1. Two Years
2. Southbound
3. Don´t Let Me Fade Away
4. Stitch
5. Witness
6. Deadweight
7. Gravity
8. Never Enough
9. Indestructible
10. Disdain
11. My Grave Is Mine To Dig
12. Johnny Cash

2016 waren Wage War aus dem amerikanischen Ocala, Florida, der Heimatstadt von A Day To Remember noch mit The Amity Affliction auf Tour in unseren Breiten und haben nachdrücklich am Aufbau ihrer Fanbase gearbeitet. Nach "Blueprints" folgt am 04. August. mit "Deadweight" nun der Nachfolger zu einem Metalcore-Album, das leider vielerorts nur unter "ferner liefen" gehandelt wurde. Damals habe ich noch ein Interview mit der Band führen dürfen, das ihr hier nachlesen könnt.

Besetzungstechnisch warten Wage War am Mikro nicht unbedingt mit einer Überraschung auf, setzt man auf Growls durch Briton Bond und Cleans von Gitarrist Cody Quistad. Was auffällt, ist die Wucht und Aggression, mit der Bond sich Gehör verschafft - und dabei akzentuiert und verständlich schreit. Die Hälfte des Intros "Two Years" vergeht mit verhallten, atmoshpärischen Gitarren, um dann im zweiten Teil mit der Keule die Party einzuleiten. "Southbound" ist böse, rotzig und gemein. Überragend ist der Stakkato-gleiche melodische Gesang von Quistad im Refrain, der sich Bond widersetzt. Als Outro spendiert die Band der Nummer noch einen das frickelige Gitarrenpicking unterstützenden Club-Chor. "Don't Let Me Fade Away" setzt auf dasselbe Rezept und differenziert sich lediglich durch einen etwas eingängigeren, glatteren Refrain.

"This record was exceptionally hard to pick singles for because of how much time and work we put into making every song a great one. 'Don't Let Me Fade Away' was always a stand out from the beginning. It's all the elements that make up our band in one song, and in a perfected state. We're very excited for all that's ahead!”

Beinahe NuMetal-gleich geht es bei der 1. Single "Stitch" weiter. Rhythmische Shouts, disharmonische Läufe und Oberton-Gepiepse der Gitarren plus Breakdown-Gier ohne Cleans machen die Nummer zum Powersong jeder Sport-App. Mit "Witness" arbeiten sich Wage War (mehr hinterlistig als dauerhaft gemäßigt) an unsere jetzt bereits tauben Ohren heran und dialogartig wechseln sich Bond und Quistad an den Mikros ab. Sein Refrain und das beinahe Bring Me The Horizon-esque Outro sind zwar verhältnismäßig nette Fürsprecher des Songs, duellieren sich aber allzuhäufig mit Bonds Parts. Mit einem grandios klingenden Basslauf geht es in den Titeltrack "Deadweight". Melodie steht hier nicht im Vordergrund und wird nur minimalistisch zugelassen, dafür setzt man auf ordentlich Druck und knüpft wieder an NuMetal-Schemata erinnernde Beatkonstrukte an. Eigentlich dachte ich, daß das Architectsche "Blergh!" aus der Mode gekommen sei. Wage War scheißen drauf.

"Gravity" - ich erwähne es nur aus Gründen der Bildhaftigkeit - birgt durch seine verträglichen Gitarrenläufe, die hier die Plattform für stimmliche Melodiekonstrukte bilden einen vagen BMTH-Charakter. Etwas Imminence und in Bridge und Refrain kann Quistad zeigen, was seine 100% cleane Stimme denn alle so zu können vermag. Bonds Growls werden weit in den Hintergrund gerückt. Schön.

Aufgewacht! "Never Enough" knüppelt sich in Hochgeschwindigkeit in guter The Ghost Inside-Manier durch die Strophe, protzt mit Breakdowns und August Burns Red-artigen Gesangseinlagen. Für die Bollo-Kids gibt's dann auch noch einen satten Fuß-Schläfe-Part. "Indestructible" hält das Tempo aufrecht und ändert auch am konzeptionellen Aufbau "Growls in der Strophe - knappe Bridge - melodischer Halftime-Refrain - Breakdown-Brutalität" nicht viel.  "I miss the days when I felt indestructible" klagt Quistad. Bond beschwichtigt ihn aber mit "Even through the darkest nights, all hope is not lost" gen Ende der Nummer. Die Hoffnung stirbt halt zuletzt.

Mit dem 02:05 Min. knappen vorletzten Song "Disdain" bitten Wage War nochmal zum Tanze auf dem Rande des Vulkans. Slipknot-artige Doublebassattacken blasen auch die letzten Pollen von den Boxen. "My Grave Is Mine To Dig" blerght sich anschließend nochmal durch die Membranen und was vorher gut geklappt hat, ziehen die Jungs gern noch einmal durch. Strophenfrust, Refrainharmonie. Inhaltlich klingt das, was Bond und Quistad hier erzählen jedoch alles andere als glücklich. "If I could change myself I would, but I don't know where to begin" wecken gar Mutterinstinkte. Mit dem letzten Song "Johnny Cash" verkündet Quistad, dem Hörer nun eine Geschichte zum Besten zu geben. Es geht um Liebeskummer, um Verlust und eigene schicksalhafte Fehler, die im atmosphärischsten Stück der Platte gut verpackt in vielerlei Facetten der menschlichen Gefühlspalette akustisch aufbereitet ihren Weg ins Ohr des Hörers finden.

Fazit:

Wage War haben mit "Deadweight" ein ordentliches Brett abgeliefert, das knarrzt und knackt und an den Kanten nicht zu glattgeschliffen ist und der Gefahr trotzt, in Regenbogeneinhorn-Metalcore abzuknicken. Mit Songs wie "Gravity" vermag die Band Kontraste zu setzen und scheut sich dadurch eben nicht, auch ihre Qualitäten abseits der Breakdown-Täler zu präsentieren. Daß man aber eben nicht dem Trend der Verweichlichung im modernen Metal folgt, stellen sie andernorts ausgiebig klar. Hier geht's nicht um Sonntagskaffee bei der Schwiegermutter, sondern um eine gepflegte Bierzeltprügelei mit dem Schwiegervater. "Southbound", "Don't Let Me Fade Away" und "Disdain" gehören für mich klar zu den Favoriten der Platte. Fans von Kingdom Of Giants oder In Hearts Wake werden mit "Deadweight" definitiv ihren Spaß haben. Und auch Fans von gepflegtem NuMetal könnte es dazu verleiten, hier und da mit dem Zeh zu wippen.

Bewertung:

Ein Gedanke zu „Review: Wage War – Deadweight

  1. Pingback: Album-Release: Wage War "Deadweight" • Quinten Quist - Das Magazin zum guten Ton

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