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Review: Camorra “Mourning. Resistance. Celebration”

Artist: Camorra
Album: Mourning, Resistance, Celebration
Erscheinungstermin: 14. Juli 2017
Label: Arctic Rodeo Recordings
Link zur Band: http://arcticrodeorecordings.com/?page_id=3552

Tracklist:

  1. Between the World and Me
  2. Roosevelt Champion III
  3. Parting Friends
  4. Black White Girl Boy
  5. Love and Economics

Camorra (ich berichtete) ist das Projekt um J Robbins (Jawbox, Burning Airlines, Channels und weitere), Jonah Matranga (FAR, New End Original, Onelinedrawing, Gratitude) und Zach Barocas (Jawbox, Bells≥). In Zusammenarbeit mit Janet Morgan (Channels) und Mitgliedern von War On Women und The Pauses hat das Trio nun seine erste EP aufgenommen, die am 14. Juli über das deutsche Label Arctic Rodeo Recordings (u. a. Rocky Votolato, Able Baker Fox) veröffentlicht wird.

Fünf Songs haben die Herrschaften nun kreiert und mit "Mourning, Resistance, Celebration" ein Zuhause gegeben.

Atmosphärisch und stimmungsvoll geht es los mit "Between The World And Me", das langsam einfadet. Ein jazziges Schlagzeug mit verschobener Eins, untermauert von einem durchgehenden Basslauf und flächiger Orgelbegleitung bilden den Teppich für Matranga, der stimmlich zurückhaltend und zerbrechlich mit Wehmut feine Melodien mit uns teilt. Ergänzt wird das Stück durch einen "Sound of Silence"-artigen Akustikgitarrenlauf und findet sein Klimax in beinahe Folk-artigen Slide- und Bending-Gitarrenmelodien. Ein wahrlich stimmungsvoller Einstieg in die leider recht kurze EP.

"Roosevelt Champion III", die erste Single der Scheibe, zeichnet sich durch einen ähnlichen instrumentalen Aufbau aus. Zum Refrain hin gibt Matranga aber dann Druck auf die Stimme und ein wenig FAR klingt im Kratzen seiner Stimmbänder mit. Der Song lebt klar von der Schlagzeugarbeit Barocas', wenngleich sich Bassist J Robbins mit angezerrtem Klang ebenfalls Gehör verschaffen will.

"Parting Friends" ist überraschend und extrem reduziert. Melodiös wie auch rhythmisch lehnt sich der Song an ursprüngliche irische (oder nordische) Folklore an (den Herr der Ringe-Vergleich hätte ich euch gerne erspart, hilft aber vielleicht, einen Eindruck dessen zu erhalten) und Matranga singt im Duett bzw. mit weiblicher Unterstützung zweistimmig mit Janet Morgan. Lediglich das maximal natürlich klingende Drumkit darf sich zum Duo gesellen und den beinahe marschartigen Track unterstützen.

Das beinahe 80s Wave lastige "Black White Girl Boy" lebt wieder von der Symbiose Drums und Bass. Die Gitarre darf nur verhalten mitklingen nebst Teppich gebender Orgel. "Black. White. Girl. Boy. Fuck. Fight. Fear. Joy." ächzt Matranga, während er die Geschichte einer Auseinandersetzung zu erzählen scheint, die in einer emotionalen Frustration endet.

Den Abschluss bildet "Love And Economics", das wieder mit einem prägnanten Basslauf beginnt, dessen Sound irgendwo zwischen Tool und dem Grunge der 90er liegt (und ich spreche bzw. schreibe hier eher von Bands wie Mad Season oder Alice In Chains). Im erwarteten Zwischenteil experimentiert die Band gesanglich interessant mit Mehrstimmigkeit, der sich dann aber auch gleichzeitig zum Outro wandelt und langsam ausfadet. Es endet also, wie es begann.

Fazit:
Trotz der vielen Beteiligten haben Camorra es geschafft, eine stimmige und schöne erste EP vorzulegen. Während man sonst vielleicht auch mal zuviel Matranga gehabt haben könnte in seinen unzähligen Projekten, so steht der FAR-Sänger hier nicht im Mittelpunkt, sondern Gleichberechtigung gibt den Ton an und auch Janet Morgan der Channels ist auf "Parting Friends" alles andere als unterrepräsentiert. Die Scheibe klingt natürlich, schlicht und dennoch gut produziert. Keine großen Effekte, kein Brimbamborium. Möchte man das Ganze als Genre klassifizieren, so ist dies alleine schon durch "Parting Friends" kaum möglich. Nennt es Emo, nennt es Indie, nennt es Musik. Für Fans von Onelinedrawing (ohne Matranga-Referenz geht es dann auch nicht) oder Death Cab For Cutie ist "Mourning, Resistance, Celebration" definitiv unumgänglich.

Bewertung:

Zu kaufen gibt es die Platte übrigens neben der MP3-Fassung auch als 10" Vinyl in Rot oder Türkis - und das streng limitiert. Wo genau ihr die Scheibe bekommt, findet ihr hier beim Label direkt.

Als ersten Eindruck, was euch erwartet, bietet "Roosevelt Champion III" einen ganz guten Überblick, wenngleich jeder Song seine Besonderheiten besitzt.